Heft 2/25 - Nosoden und Sarkoden II

Bacillinum, Streptococcinum, Influenzinum, Thyreoidinum ...

Homoeopathie Nosoden Sarkoden Bacillinum
Mit Beiträgen zu den Nosoden:
- Streptococcinum (zwei Fälle)
- Bacillinum (Kasuistik plus zwei Kurzfälle)
- Medorrhinum (zwei Fälle)
- Influenzinum
- Lyssinum

... und folgenden Sarkoden:
- Thyreoidinum (Schilddrüsengewebe)
- Oxytocinum
- Folliculinum (Östrogenhormon)
- Umbilicus humanus (Nabelschnur)
Anfälligkeit für Erkältungen und Herpes labialis

Ein Mann mit seit Jahren auftretenden Erkältungen, bei denen „unendlich viel Wasser aus Augen und Nase läuft“ und die von einem seit 10 Jahren bestehendem Herpes begleitet werden. Trotz zahlreicher vorhandener tuberkulinischer Wesenszüge - –er ist rastlos, läuft und reist viel, die Mutter des Patienten hatte während seiner Jugendzeit offene Tuberkulose, Verlangen nach Schinken, Furcht vor Hunden - haben angezeigte Arzneien wie Bacillinum keine Wirkung gezeigt. Zwei Gaben Influenzinum C200 innerhalb von vier Monaten brachten die Infektanfälligkeit völlig und den Herpes fast ganz zum Verschwinden, das Allgemeinbefinden wie auch eine alte Achillessehnenreizung besserten sich (Behandler: Karl-Josef Müller).


Knieschmerzen seit einer Teilruptur des Innen- und Kreuzbandes

Seit einem Bänderanriss vor zwei Jahren beim Eishockey hat ein 26-jähriger Mann Knieschmerzen, für den sportliche Aktivitäten sein Lebenselixier sind. Eine Nebenbeschwerde sind regelmäßig auftretende Aphten im Mund, die so schmerzhaft sind, dass der Patient am besten gar nichts mehr ißt. Bacillinum Burnett war die Arznei der Wahl, die alle Beschwerden dauerhaft besserte. Zwei weitere Kurzfalldarstellungen sowie eine Zusammentragung der wichtigsten Symptome und des Gemütsbildes von Bacillinum komplettieren den Beitrag von Felix Morgenthaler.


Zwei Praxiserfahrungen zu Medorrhinum von Sigrid Lindemann

Im ersten Beitrag geht es um einen Mann, der sich den privaten und beruflichen Herausforderungen des Lebens nicht stellen man. Es berichtet, das er Konfrontationen ausweicht, Sachen nicht durchsteht, nicht für sich kämpft und somit auch für einen Job nicht in Konkurrenz zu anderen Mitbewerbern gehen kann. Des Weiteren hatte er nächtliche Gallenkoliken nach zu fettem Essen, er liebt scharf gewürzte Speisen und ist ein Nachtmensch. Auch der Patient des zweiten Falles, ein Bauingenieur, weist ein ähnliches Bild auf: er hat nicht genügend Wums, nicht ausreichend Energie, um Projekte voranzubringen: „Ich habe das Gefühl, nicht das nötige Handwerkszeug zu haben, die Dinge des alltäglichen Lebens zu meistern." Ergänzend noch einige Symptome aus dem „Quellenfall“: Analekzem seit vielen Jahren, Verlangen; scharf gewürzte Speisen, eiskalte Getränken. Innerhalb von vier Wochen nach der Gabe von Medorrhinum konnte der Patient eine Reihe von Entscheidungen treffen und ein wichtiges Gespräch verlief ohne die übliche Erwartungsangst; er ist viel positiver geworden und verbringt weniger Zeit mit Sorgen, kreisenden Gedanken und Ablenkungen.


Schwieriges Sozialverhalten, Pavor nocturnus, Stottern

Eine sehr lehrreiche Verordnung der Tollwutnosode Lyssinum präsentiert die Heilpraktikerin Vedrana Schreiner. Vorbehandler hatten dem vierjährigen Malte u. a. Arnika, Belladonna, Sulfur, Stramonium und Mercurius verordnet, mittlerweile ist Malte aggressiver als vor Beginn der homöopathischen Behandlung. Einige Symptome: starker Speichelfluß, Nägelbeißen bis die Finger blutig sind, benötigt sehr helles Licht zum Einschlafen, Anklammern, Abneigung gegen waschen, früher hohes Fieber mit Mandelentzündungen, Husten und Nachtschreck. Und die Reaktion nach sechs Wochen nach Gaben von Lyssinum C30 und C200: „Allgemein ist er freundlicher geworden, er lacht gerne und ist ausgeglichener. Zwei Wochen nach der ersten Gabe war das Stottern schon besser. Malte hat sich selber den Kopf gewaschen. Er fängt an, weniger Licht zu brauchen. Er hatte vor drei Tagen einen Nachtschreck, der war deutlich kürzer.“ Dieser positive Verlauf im Körperlichen wie auch im Sozialverhalten hielt die nächsten Jahre an, was auch von den Erzieherinnen im Kindergarten bestätigt wurde.


Streptokokkinum bei Autoaggressionen eines Kleinkindes

Die dreijährige Charlotte hat seit ihrer Zahnung Wutausbrüche, die vornehmlich nachts gegen 23.30 und um drei Uhr auftreten. Im Zorn reißt sie sich schon mal mit den Nägeln das Zahnfleisch blutig oder schlägt, von energischem Brüllen begleitet, ihren Kopf gegen den gefliesten Boden. Und im Auto reißt sie sich die Haare aus, wenn sie nicht schlafen kann. Bemerkenswert ist die Situation auf der Entbindungsstation während der Coronazeit: die Mutter durfte ihren Mann nicht sehen, nicht mal eine Tasche mit persönlichen Dingen durfte er ihr vor die Tür stellen, und Umhergehen war nur im Zimmer und dem Treppenhaus gestattet. Sie hatte in diesen Tagen „Angst ohne Ende“, war echt sauer und gestresst; zudem verliefen zwei Einleitungsversuche erfolglos. Eine Streptokokkinum-Kasuistik von Ulrich Freundlieb, ergänzt durch Erfahrungen aus zwei Akutverordnungen.  


Streptokokkinum bei chronisch-rez. Fieber seit einem Infekt vor einem Jahr

Wyka Evelyn Feige stellt den Fall des 13-jährigen Carl vor, der seit einer Erkrankung während einer Grippewelle an wiederkehrenden Fieberschüben mit Temperaturen von bis zu 40 °C leidet. Die Verordnung von China officinalis erbrachte lediglich eine zwei Tage lang andauernde Fieberfreiheit; auch Gaben von Pulsatilla, Carcinosinum und Lac delphinum waren nicht zielführend. Die Wahl auf Streptokokkinum fiel auch vor dem Hintergrund, dass diese Arznei als Blockadelöser gilt, unterstützt durch Carls Neigung zu wiederkehrenden Halsentzündungen, die seit einiger Zeit zusammen mit dem Fieber auftraten. Innerhalb von zweieinhalb Wochen nach Streptokokkinum C40/C220 gab es deutliche Heilungsfortschritte: das Fieber, Hals- und Kopfschmerzen und „das Depressive“ verschwanden, die Müdigkeitsattacken besserten sich und Carl wurde aktiver; dieser Zustand blieb stabil. Im Laufe der weiteren Behandlung (nicht wegen Fieber und den bisherigen Beschwerden), wurden der Mauersegler Apus apus und der Wanderalbatros Diomedea exulans verordnet.


Gefühl von Aufgedunsensein und Dicksein, Haarausfall, Prüfungsängste

Dieser Beitrag dokumentiert den 10 Jahre andauernden Weg der Arzneifindung für die 32 Jahre alte Lucia. Die Patientin hat Heißhungerattacken auf Süßigkeiten, in ihrer Vergangenheit gab es mehrere anorektische Phasen. Nach einem Tag, an dem sie isst, was ihr schmeckt, fühlt sie sich tagelang völlig aufgedunsen und hat dann das Gefühl, dass sich, vor allem nach dem Verzehr von Zucker und Pasta, überall Ödeme bilden und ihr Bauch größer wird. Um dem Problem der drohenden Gewichtszunahme zu begegnen, bewegt sie sich extrem viel, geht täglich joggen, macht Aerobic oder ist stundenlang auf ihrem Hometrainer. Nach Verordnung von Thyreoidinum in verschiedenen Potenzen (C200 bis XM, Q-Potenzen) besserte sich die Verdauung inkl. dem Schwellungsgefühl, die ganze Speisenkontrolle wurde weniger manisch, Haarausfall und die Gelenkschmerzen waren nie mehr Thema. Eine Dokumentation von Susanne Studer.


„Wann werde ich endlich gesehen?“ – ein Fall von Neurodivergenz  

Eine Frau berichtet, dass sie sich in der Kindheit von ihren Eltern nie gesehen, nicht wertgeschätzt und in ihren Bedürfnissen nicht wahrgenommen gefühlt hat. Aus dem daraus resultierenden Gefühl von Unverbundenheit entwickelte sie die Haltung, nur noch für andere da zu sein und sich selbst dabei zu vergessen. In ihrem heutigen Leben zeigt sich dies u. a. als ausbleibender Erfolg im Beruf. Die Verordnung der Sarkode Folliculinum beendete ihr „Empathen-Dasein“, sie kann sich deutlich besser abgrenzen, ihre körperlichen Beschwerden begannen sich zu bessern (migräneartige Kopfschmerzen mit verspanntem Hals-Nacken-Bereich, Frozen Shoulder, Hypotonie, klimakterische Hitzewallungen ...)  und ihr Energieniveau ist merklich angestigen. Eine lehrreiche Kasuistik von Christoph Schlüter.


Bin ich Verbunden? Ein Fall von Chorda umbilicalis

Potenzierte Nabelschnur war die Arznei der Wahl für eine Patientin, die sich wegen seit Jahren bestehenden Spannungskopfschmerzen infolge starker Verspannungen im Schulter-, Nacken- und BWS-Bereich und einem dumpfen Gefühl im Oberbauch, einhergehend mit Übelkeit, in der Praxis des Behandlers Dr. med. Heinz Kellinghaus vorstellte. Ihre Lebensgeschichte offenbarte wenig Kontakt zum Vater wie auch ein Fremdheitsgefühl der Mutter gegenüber. Sie bereichtet über sich: „Ich weiß nicht genau, was ich will. Wer bin ich? Was will ich? Ich kenne mich selbst nicht gut, ich bin mir manchmal selbst fremd. Mein Mann sagt immer, dass ich zu viel für andere mache, zu wenig für mich selbst sorge. Dennoch habe ich noch immer das Gefühl, nicht zu einem Freundeskreis zu gehören, ich bin am Rande.“ Natrium muriaticum und Carcinosinum hatten keine erkennbare Wirkung, erst das Muttermittel Umbilicus humanus besserte die Anspannung und Kopfschmerzen, bis diese nach vier Monaten gar nicht mehr vorhanden waren. Die Patientin wurde innerlich gelassener, sie ist mehr im Körper statt am Denken und Grübeln, allgemein sich mehr selbst bewusst und sich mehr selbst akzeptierend.


„Mein Herz ist traurig, verzweifelt und verlassen“  

Ein durch die Lebenskrisen geschwächter älterer Mann kommt in der Anamnese auf seinen Grundkonflikt: Wo gehöre ich hin – zur Pflegefamilie oder zur Ursprungsfamilie? Das Herz ist ein zentrales Thema bei ihm: „Mein Herz weint. Es ist ihm was weggenommen worden. Es fehlt die Geborgenheit in meinem Leben. Es tut so weh, wie wenn das Herz gedrückt wird.“ Vor Jahren wurde ihm wegen Vorhofflimmern das linke Herzohr entfernt. Die Verordnung des Emmers Triticum dicoccum hilft körperlich, aber seine Stimmung wird weinerlich und depressiv. Gleichzeitig wird er ärgerlich wegen „der Fehler“, die er in Beziehungen gemacht hat. Erst die Verordnung des Kuschel- und Bindungshormons Oxytocinum berührt zentral seine Grundthematik und er erlebt sich erstmals in seinem Leben „zutiefst befreit von Lebensangst“. In der Folge lassen der Ärger auf sich selbst wie auch die suizidale Neigung nach. Er empfindet seinen Körper als stabiler und seinem Rücken geht es gut. Alle Untersuchungen in Bezug auf Herz und Darm sind seitdem o. B. Eine Praxiserfahrung von Anne Schadde.

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