Heft 2/13 - Nachtschatten (Solanaceae)

Belladonna, Atropinum, Mandragora, Capsicum, Lycopersicum ...

Homöopathische Fälle zu Belladonna, Solanum tuberosum, Mandragora officinarum, Lycopersicum esculentum ...
Mit insgesamt 12 Beiträgen zur Pflanzenfamilie und folgenden Arzneimitteln:
- Atropa belladonna
- Atropinum purum
- Solanum tuberosum (vier Beiträge zur Kartoffel)
- Capsicum annuum
- Mandragora officinarum (zwei Fälle)
- Dulcamara
- Lycopersicum esculentum (Tomate)
- Alkaloide und die homöopathischen Themen der Solanaceae
„Mal ein Engelchen, mal ein Teufelchen“ - Atropa belladonna

Atropa belladonna war die passende chronische Arznei bei einem vierjährigen Mädchen mit wiederholten akuten Infekten im HNO-Bereich (Otitis media, Sinusitis) in der Vergangenheit und seitdem wiederkehrenden eitrigen Anginen mit hohem Fieber. Im Gemütsbereich erwähnenswert sind ihr bestimmendes Wesen, eine „fürchterlicheEifersucht sowie heftige Wutanfälle mit aggressivem Verhalten. Der Autor Christoph Schlüter (Weingarten) geht in seiner Arzneibegründung auch ausführlich auf den Ruf der Tollkirsche als Akutarznei und die Darstellung von Belladonna in Hahnemanns „Reiner Arzneimittellehre“ ein.


Atropinum purum

Atropin, Hyoscyamin und Scopolamin sind die Hauptalkaloide der Nachtschattengewächse Belladonna., Stram., Hyos. und Mandragora. So ist auch nicht verwunderlich, dass die Patientin des Atropin-Falles „Ständig auf der Flucht – zehn Jahre Folgeverlauf einer Patientin mit Angststörung“ viele Aspekte der gerade erwähnten Solanaceae enthält. Was genau die Behandlerin Sigrid Lindemann zur Arznei Atropinum purum führte, lesen Sie auf acht Seiten sorgfältig dokumentiert (Sankaran-Methode).


Die Kartoffel Solanum tuberosum bei multiplen Allergien

Solanum tuberosum war das Mittel der Wahl bei einer Frau mit 30 diagnostizierten Allergien. Neben der überzeugenden Heilwirkung – die Allergien verschwanden fast vollständig, so dass die Patientin jetzt wieder Erdbeeren essen, Obst anfassen und Kartoffeln schälen kann, ohne Niesanfälle und juckende Schleimhäute zu bekommen – ist auch sehr spannend, wie der Therapeut Gerhard Ruster einen Aspekt („Heiße Kartoffel anfassen“) herausarbeitet, der nicht nur in diesem Fall, sondern möglicherweise häufiger ein Thema bei Solanum tuberosum ist.


„Ein Adoptivkind mit zwei Gesichtern - Engelchen und Pulverfass

Ein weiterer Solanum-tuberosum-Fall beschreibt ein witzelsüchtiges Adoptivkind mit unkontrollierbaren Wutausbrüchen: „Sie ist so extrem gereizt, wie ein Pulverfass. Sie hat eher ein hitziges Temperament, hat massive Wutausbrüche, kommt mit Ausdrücken, Beleidigungen. ... Sie provoziert gern, weiß nie, wann Schluss ist. Egal, welche Konsequenzen, sie hat einen starken eigenen Willen. ... Sie schlägt um sich, sie versucht, Sachen kaputt zu machen. Sie schreit dann auch und die Augen werden ganz glasig. Wenn man dann versucht, sie festzuhalten, wird es nur noch schlimmer.“ Nachdem der potenzierte Kartoffelpilz Solanum tuberosum aegrotans nicht durchgreifend wirkte, erbrachte Sol-t. eine anhaltenden Besserung (Autorin: Britta Zips, Saarbrücken).


Eine erste Essenz von Solanum tuberosum

Die Autoren der beiden vorangegangenen Fälle haben durch den Vergleich ihrer klinischen Erfahrungen ein kompaktes Arzneimittelbild von Solanum tuberosum erstellt.


Eine weitere Kasuistik zu Solanum tuberosum

Ständige Erkältungen, subfebrile Temperaturen und entzündete Nebenhöhlen und Bronchien waren der Behandlungsgrund für eine distanziert-misstrauische Frau. Im Gemütsbereich prominent waren Träume (wilde Tiere, Leichen, Verfolgungen, schwarzer Mann, der ihr im Keller ein Grab gräbt), eine generelle Lebensangst und ihre Kindheit, die sie als „Überlebenskampf“ beschrieb. Im Laufe von insgesamt vier Gaben Solanum tuberosum C30 und C200 kam es zu deutlichen Heilreaktionen im Körperlichen (Immunlage, Allergie, Menses, Tinnitus) wie auch im Beziehungsverhalten (weniger Klammern). (Autorin: Carmen Post, Nähe Stuttgart.)


Die Familie der Nachtschattengewächse

Ein Ergänzungsartikel von Thomas Schweser (Herausgeber) widmet sich den Solanaceae, den Alkaloiden, ihrem Gebrauch im Mittelalter und ihren homöopathischen Themen.


Asthma bronchiale - dauerhaft geheilt mit (Solanum) Dulcamara

14 Jahre beträgt die Nachbeobachtungszeit bei dem Fall der achtjährigen Diana, bei dem Dulcamara neben Asthma auch die Erkältungstendenzen (Schnupfen, Husten) und den Schlaf entspannte. Auch einen zunehmend freundlicheren und offeneren Umgang mit Menschen registrierte der Behandler Karl-Josef Müller (Zweibrücken) unter der Wirkung des Bittersüßen Nachtschattens Dulcamara.





Eine gute Zeitschrift, in der ich immer wieder nachlese - im Moment z.B. bei der Vorbereitung des Unterrichts für morgen. Herzlichen Gruß und weiterhin frohes Schaffen.“

Jörg Wichmann, Rösrath 




Capsicum annuum - „Ich bin so weit weg von allem, was zählt!

Eine weitere bekannte Nachtschattenarznei ist Capsicum annuum. Wie sich der Spanische Pfeffer im Chronischen zeigen kann, illustriert der Fall einer Frau, die nach einem beruflich bedingten Umzug unter einer große Sehnsucht nach ihrer Heimat litt. Ihr seelisches Tief verstärkte sich noch, nachdem ihre Großmutter im Jahr zuvor verstorben war. Einige Monate später traten dann auch erstmalig nächtliche Panikträume auf, aus denen sie schreiend erwachte. Im somatischen Bereich litt sie unter einer schmerzhaften Menstruation. Was Capsicum bewirken konnte, finden Sie auf den Seiten 44 bis 47 dokumentiert von der Behandlerin Gerlinde Hangkofer (Bad Salzdetfurth).


Lycopersicum esculentum - in der Küche äußerst beliebt ...

... aber in Homöopathiekreisen noch eine seltene Zutat ist die Tomate Lycopersicum esculentum (Repertorium: Lycpr.). Timo wurde von seiner Mutter wegen juckenden Ekzemen in Behandlung gebracht. Nachfolgend einige Daten aus der Anamnese in stichpunktartiger Form: rote Backen und Ohren, rissige, blutige Lippen mit rot ummantelter Kontur, nächtliche Hustenanfälle, Fieberkrämpfe (zwei Mal) mit hohem Fieber, verkrampften Händen und starrem Blick (nach einem Gruselfilm), Schlafwandeln, knallrotes Gesicht bei der Zahnung, Drang zu rennen. Nach der Verordnung von Lycopersicum esculentum C30/C200 kam es einer leichten Erkältung mit Ausschlag an den Extremitäten, der aber nicht juckte, und wieder von selbst verschwand. Im weiteren Verlauf besserte sich Timos Schlaf „auffallend gut“, das Schlafwandeln hörte auf, genauso wie die Albträume und das Bauchweh; auch Infekte traten nicht mehr auf (Behandlerin: Carmen Post, Pliezhausen).


Mandragora officinarum (zwei Beiträge)

Die sagenumwobene Alraune Mandragora officinarum bildet mit zwei Beiträgen den Abschluss in dieser Ausgabe zu den Nachtschatten. Ein Patient kam wegen einer enormen Wut, die er besonders im Leberbereich spürte, Todes- und Lebensangst (!), zwanghafter Sexualität („wie eine Fremdbestimmung“) in homöopathische Behandlung bei der Heilpraktikerin Ilka Jessen-Tietgen (Kiel). Begleitsymptome der inneren Wut, die er beschrieb als „es ist wie eine dunkle Energie, die mich vernichten will …“, waren u.a. Herzrasen, Krämpfe in der Herzgegend und Schweißausbrüche. Die Fallanalyse erfolgt nach dem Sankaran’schen Miasmenmodell.

Auch der zweite Mandragora-Patient (Dr. med. Giacomo Merialdo, Genua) hatte eine enorme innere Spannung in sich, die sich in Form von Tics und plötzlichen Bewegungen zeigte, was er aber mit liebenswürdigem und unterwürfigem Verhalten zu kaschieren versuchte. Wenn er seine Anspannung nicht durch äußere Aktivität (Schlagzeug spielen, wandern, schaukeln) kanalisieren konnte, fing er zu zittern an, bekam einen trockenen Mund und Angst.


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