Homoeopathia viva 2/05 - 'tierische' Arzneien
Bufo rana, Lac asinum, Lac delphinum, Lac felinum, Moschus, Spongia etc.
Dieses Heft ist ausschließlich den Arzneien tierischer Herkunft gewidmet. Mit Lac delphinum (drei Kasuistiken) und Moschus (zwei Fälle) haben sich kleinere Schwerpunkte heraus kristallisiert. Des Weiteren finden Sie Fälle zu:
- Lac asinum (Eselsmilch)
- Lac felinum (Katzenmilch)
- Lac ovinum (Schafsmilch)
- Spongia marina tosta
- Bufo rana
- Anser anser domestica (Hausgans)
- Anas indica (Indische Laufente)
Lac delphinum
Lac delphinum wurde in den 90ern von Nancy Herrick geprüft, und ist zusammen mit den Arzneimittelprüfungen anderer Tiere (u.a. Lac equinum und Lac lupinum) auch als Buch in Deutsch erhältlich. Lac delphinum ähnelt mit seinem Bedürfnis nach sozialen Kontakten sowie diversen körperlichen Beschwerden in bemerkenswerter Weise der Arznei Phosphor. Drei Fälle und ein Begleitartikel (Arzneimittelbild) gewähren einen Einblick in das Wesen dieser sozialen Tiere und die Symptomatik der potenzierten Delfinmilch.
Moschus moschiferus
Moschus moschiferus, der Moschushirsch, wurde dagegen schon von Samuel Hahnemann in die Homöopathie eingeführt. In dem Moschus-Fall von Karl-Josef Müller wie auch in dem von Karl Nolden wiesen die Patienten starke Erwartungs- und Versagensängste auf – sexuell wie gesellschaftlich. Karl-Josef Müller schreibt in seinem Buch (Moschus Fallsammlung) bzw. seinem Moschus-Fall in dieser Ausgabe: „Einerseits wird Moschus geprägt durch einen Mangel an Selbstvertrauen. Erwartungsspannung ist Ausdruck dieser Unsicherheit, äußeren Anforderungen genügen zu können. Die Versagensangst kann so groß sein, dass sie zu einer völligen Blockierung geistiger Fähigkeiten führt ... Bloßstellung, Beschämung und Erniedrigung drohen ... Das typische Empfinden in all diesem Versagen ist das von Bodenlosigkeit, Fallen, Versinken etc., nachdem er in Fantasie Höhenflüge durchlebt hat ... Dergestaltige innere Unsicherheit im Verbund mit äußerem Erwartungsdruck und überhöhtem Selbstanspruch enthalten aber auch schon per se die Konsequenz eines Absturzes oder Falls.“
Die Suche im Repertorium mit Hilfe einer homöopathischen Software, erbringt schnell eine Vielzahl passender Rubriken zur oben erwähnten Moschus-Thematik:
Gemüt – Träume – Fehlschläge, Misserfolg, Versagen
Gemüt – Träume – Kränkung
Gemüt – Wahnidee, Einbildung – Fallen – er sei im Begriff zu – Höhe, aus der
Gemüt – Wahnidee, Einbildung – Höhe gehoben zu werden, in die – fallen, mit Furcht zu
Weitere Milchmittel: Lac felinum, Lac ovinum und Lac asinum
Neben der Delfinmilch haben noch Fälle dreier weiterer Säugetiere den Weg in diese Ausgabe gefunden: Lac felinum (Katzenmilch; vier Jahre Nachbeobachtungszeit), Lac ovinum (Schafsmilch) und Lac asinum (Eselsmilch). Letztgenannte ist eine Arznei, die leicht mit Barium carbonicum oder einer der Bariumverbindungen verwechselt werden kann: Schüchtern, mutlos, ängstlich gegenüber Unbekanntem und mit der Furcht, sich zu blamieren und von anderen ausgelacht und schikaniert zu werden. Nach der Verordnung von Lac asinum verschwanden im Rahmen der klassisch-homöopathischen Behandlung alle allergischen Beschwerden des Patienten. Innerhalb der vierjährigen Nachbeobachtungszeit musste die Lac asinum kein einziges Mal wiederholt werden!
Anser anser domestica - die Hausgans
Ein Artikel widmen sich der Hausgans Anser anser domestica, die bisher noch in keinem homöopathischen Repertorium vertreten ist. Wie die Therapeutin dieses Arzneimittel für eine Frau mit Angstzuständen und Herzrhythmusstörungen gefunden hat, können Sie auf knapp acht Seiten in der Herbstausgabe 2005 der Homoeopathia viva lesen.
Bufo rana
Bufo rana, die Erdkröte, verordnet bei einem hyperaktiven Kind mit phasenweise aggressivem Verhalten. Die zuvor verordneten Nachtschatten Belladonna und Mandragora brachten keinen dauerhaften Therapieerfolg. Ein Jahr nach der Erstverordnung von Bufo C 200 war die erste Mittelwiederholung notwendig. Wieder wirkte Bufo zuverlässig, laut der Mutter „als ob ein Schalter umgelegt worden sei".
Eine weitere Bufo-Kasuistik finden sie in der » Ausgabe 2/07.
Spongia marina tosta
Einen sehr aufschlussreichen Beitrag zu Spongia marina tosta, einer häufig akut verordneten tierischen Arznei bei kruppartigem Husten, hat der in Freiburg praktizierende Heilpraktiker Marco Riefer verfasst. Der Fall gewährt einen Einblick in die 'chronische Dimension' von Spongia tosta (Meeresschwamm). Bei der Patientin, die wegen eines seit Wochen anhaltenden subakuten Hustens in Behandlung gekommen war, verschwand nicht nur der Husten innerhalb kurzer Zeit nach Verordnung von Spongia, sondern es kam auch zu einer Besserung diverser chronischer Beschwerden: der rezidivierende Scheidenpilz trat kein einziges Mal mehr auf und die Werte der PAP-Abstriche änderten sich innerhalb des dreijährigen Behandlungszeitraumes von IIId über IIa auf letztendlich unauffällige Befunde! Auch die klaustrophobischen Angstattacken besserten sich wesentlich. Abschließend geht der Autor noch auf einige homöopathische Schwerpunkte der bekanntesten Meeresarzneien (Calcium carbonicum, Sepia officinalis, Aqua marina, Murex purpurea, Asterias rubens, Medusa, Lac delphinum) ein.
Anas indica – die indische Laufente
Die beiden finalen Artikel befassen sich mit einem Tier das hauptsächlich auf dem Wasser lebt, Anas indica, die indische Laufente. Vivien Schlitter gibt einen Fall wieder, den die indische Ärztin Chetna N. Shukla 2004 bei einem Seminar in Potsdam vorgestellt hat. Die Prüfung dieses Tieres, die auch in einer deutschen Übersetzung als Buch vorliegt, ergab ein klares emotionales Bild: die PrüferInnen empfanden ein starkes Gefühl des Nicht-geliebt-Seins; sie mussten deswegen viel weinen und verspürten den starken Wunsch nach Nähe, Angenommensein und „wirklicher Herzensverbindung“. Dieses Gefühl der mangelnden Nestwärme ging einher mit der deutlichen Empfindung, hässlich zu sein. Diese emotionalen Aspekte wie auch die körperlichen Prüfungssymptome werden in dem zweiten Artikel als Arzneimittelbild von Anas indica ausführlicher beschrieben.
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