Homoeopathia viva 2/03 - Skorpione
Fallbeschreibungen: Androctonus, Alumina, Hecla, Teucrium, Vipera etc.
Die Ordnung der Skorpione gehört mit neun Familien und ca. 1500 Arten zur Klasse der Spinnentiere. Skorpione – was so viel wie „Der Grabende“ bedeutet – sind kleine Landtiere, deren Entwicklung sich vor ca. 350 Mio. Jahren weitestgehend abgeschlossen haben soll.
Dr. Azam aus Algerien führte 1939 eine Prüfung von Buthus australis durch. Aber erst seit der Arzneimittelprüfung von Androctonus amurreuxi hebraeus im Jahre 1982 durch den israelischen Arzt Jeremy Sherr findet der Skorpion Androctonus amurreuxi verstärkt Beachtung in der homöopathischen Welt.
Androctonus amurreuxi & Buthus australis
Zur Einstimmung in die 'Skorpion-Ausgabe' der Homoeopathia viva dient ein » Beitrag (PDF-Format) [191 KB]
mit grundlegenden zoologischen Informationen zu Skorpionen; danach wird auf zentrale Prüfungselemente und das Arzneimittelbild von Androctonus amurreuxi (Androc.) eingegangen, aber auch Buthus australis (= Androctonus australis (Buth-a.)) wird beschrieben. Den Abschluss bildet eine tabellarische, thematische Übersicht gemeinsamer Symptome von Skorpionen und Spinnen.
Menschen, die Androctonus amurreuxi (und auch Buthus australis) als Heilmittel benötigen, empfinden die Welt als feindseligen Ort. Die Wurzeln dieses Grundgefühl liegen oft in einer harten, emotional kalten Kindheit, in der gefühlsmäßiger Rückzug und/oder aggressives Verhalten den einzigen Schutz boten. Die Betroffenen können emotionale Anteilnahme weder gut annehmen noch äußern, und äußerst misstrauisch, zynisch und verletzend sein. Menschliche Kontakte scheinen ihnen nicht viel zu bedeuten. Manche Androctonus-Patienten weisen geradezu asoziales (= gemeinschaftsunfähig) Verhalten auf. Im Repertorium (Complete Repertory) wird Androctonus amurreuxi u.a. in folgenden Rubriken geführt:
Gemüt – Bösartig, rachsüchtig – verletzen, Drang, jemanden zu
Gemüt – Wahnidee, Einbildung – gequält, angefeindet, er werde
Gemüt – Verlassenheitsgefühl – Isolationsgefühl
Gemüt – Wahnidee, Einbildung – allein – Welt, auf der
Homöopathisch besteht im Wesen eine Ähnlichkeit zu anderen Skorpionen und einigen Spinnen (z.B. Latrodectus mactans), wie auch zu anderen 'harten' Arzneien wie Anacardium und Mercurius. Vier anschauliche Androctonus-Kasuistiken bestätigen die Praxistauglichkeit des Arzneimittelbildes aus dieser Ausgabe.
Eine » Buthus-australis-Kasuistik finden Sie in dieser Ausgabe.
Alumina (Aluminium oxydata) - eine Arznei bei Multipler Sklerose
„Ich könnte nie auf eigenen Füßen stehen“ – so hat die Autorin Graziella Sanzo ihren Beitrag zu Alumina (Aluminiumoxyd) betitelt. Ausführlich beschreibt sie die Substanz Tonerde (Aluminium oxydata) und das Metall Aluminium, dessen physikalische und chemische Eigenschaften, die technische Verwendung und das Bild der Aluminiumintoxikation. Das ausführliche Arzneimittelbild von Alumina umfasst u.a. viele neurologische Beschwerden wie Taubheitsgefühle, Koordinationsstörungen, Muskelschwäche, Lähmungen und Schwindel. So kann Aluminium oxydata, vorausgesetzt das Gesamtbild passt, Erkrankungen wie Multiple Sklerose heilen oder zumindest zum Stillstand bringen. Das ausführliche Arzneimittelbild von Alumina wird durch eine Kasuistik komplettiert.
Vipera berus - die Kreuzotter
Dokumentation einer nahezu vier Jahre nachbeobachteten Vipera-berus-Kasuistik, bei der das anfangs verordnete Thuja nicht das gewünschte Ergebnis brachte. Ein blauer Fleck, der während jeder Menstruation am Oberschenkel auftrat und mit Ziehen und einem Schweregefühl des Beines einherging, was sich beim Hochlegen der Extremität besserte, war neben dem Vorhandensein schlangenspezifischer Themen (Kongestionen, Einengung, einseitige Beschwerden, Dualität etc.) der Pointer auf Vipera berus.
Pollinosis - ein Fall von Teucrium marum
Teucrium marum, der Katzengamander, verordnet u.a. bei Heuschnupfen, PMS, Kopfschmerzen, Albträumen, Zähneknirschen und Nägelbeißen. Einen Tag nach der Einnahme von Teucrium C 30/C 200 kam es zu einer massiven Verschlimmerung der Heuschnupfensymptomatik (Patientin: „Am nächsten Tag war es abartig. Ich brauchte ein ganzes Paket Taschentücher, die Nase tropfte abartig...“), den Tag darauf bestanden nur noch minimale Beschwerden. Es verschwanden nicht nur alle erwähnten Beschwerden, auch die Panikgefühle beim Durchfahren eines Tunnels gehören seit der Gabe von Teucrium marum der Vergangenheit an (Nachbeobachtungszeit 42 Monate).
Hecla lava anstatt Staphisagria
Hecla lava ist eine mineralische Substanz, die vor allem für ihre Wirkung auf Zähne und Knochen bekannt ist. Wie sich Hecla lava im Chronischen zeigt, dokumentiert der Freiburger Homöopath Marco Riefer anhand einer ausführlichen Kasuistik (zuvor wurde vergeblich Staphisagria verordnet) und eines weiteren kurzgefassten Falles. Abschließend gibt der Behandler seine Erfahrungen in einem kompakten Arzneimittelbild von Hecla lava wieder. Eine weitere Kasuistik zu Hecla lava finden Sie in der » Frühjahrsausgabe 2008.
Weitere Beiträge
Ioannis Kafkas und Dr. Georgios Loukas aus Griechenland stellen den Fall eines Mannes vor, der an chronischen Kopfschmerzen, Schwindel und hypertonen Krisen leidet. Die homöopathische Arznei Hoedulli cerebrum, hergestellt aus dem Gehirn einer Ziege, brachte alle Beschwerden dauerhaft zum Verschwinden (vier Jahre nachbeobachtet).
Eine Kasuistik zu Zincum phosphoricum von der niederländischen Homöopathin Alize Timmerman incl. einem Interview gibt Diana Nocker in ihrem Beitrag wieder.
Systemaufstellungen in der homöopathischen Praxis und Systemische Homöopathie
Seine Erfahrungen mit a.) Systemischen Krankheitsaufstellungen (Betrachtung der Erkrankung im Rahmen einer Aufstellung) und b.) Krankheitsstrukturaufstellungen in der homöopathischen Praxis gibt der Freiburger Homöopath Marco Riefer in diesem Artikel wieder.
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