Homoeopathia viva 1/04 - Liliengewächse
Ein Strauß voller Lilien - Allium cepa, Allium sativum, Aloe socotrina, Convallaria majalis, Sarsaparilla und weitere Lilien
Passend für eine Frühjahrsausgabe präsentiert Ihnen dieses Heft einige Vertreter der Ordnung der Lilienartigen:
- Allium cepa & Allium sativum
- Aloe socotrina (zwei Fälle)
- Chlorophytum comosum (Grünlilie)
- Convallaria majalis
- Galanthus nivalis (Schneeglöckchen)
- Sarsaparilla officinalis
- Kasuistik: Adamas (Diamant)
- Seminarreport: Lac equinum, Germanium und Elaps
Liliengewächse
Zum ersten Mal steht mit den Liliengewächsen eine Pflanzenfamilie im Mittelpunkt der Homoeopathia viva. Liliengewächse sind auch jedem Nichthomöopathen in großer Anzahl bekannt, sei aus der Küche (Zwiebel, Schnittlauch, Bärlauch, Spargel) oder aus dem Blumengarten (Maiglöckchen, Tulpe, Krokus, Schwertlilie etc.). Die Lilienähnlichen bilden eine Unterklasse der einkeimblättrigen Pflanzen. Kennzeichen der einkeimblätrigen Pflanzen ist u.a., dass es im Spross nur zu einem primären Längenwachstum kommt und nicht auch zu einem Stabilität fördernden Querwachstum (was sehr schön sichtbar ist, wenn man eine Stange Lauch schneidet). Diese mangelnde Stabilität in Längsrichtung bzw. eine generelle Stabilitätsthematik ist bei vielen Lilien in verschiedenartiger Ausdrucksform ersichtlich. Zum Beispiel bei Lilium tigrinum als abwärtsdrängende, prolapsartige Beschwerden im Unterbauch, bei dem 'Abführmittel' Aloe socotrina als andauerndes Nach-unten-Ziehen in Verbindung mit Diarrhöe, bei Trillium pendulum als ein Gefühl, als ob Lenden- und Kreuzgegend auseinander fallen wollen und bei Veratrum album als Kollaps (lat. collapsio Zusammenbruch) und ebenfalls massiven Durchfällen.
Wie sich diese und andere strukturellen Eigenheiten der Einkeimblättrigen in den Arzneimittelbildern der jeweiligen Pflanzen zeigen können, gibt ein Artikel des im saarländischen Zweibrücken praktizierenden Homöopathen Karl-Josef Müller wieder. Ein ergänzender Beitrag zu den » Lilien (Download als PDF) [281 KB]
beschreibt diese aus botanischer und homöopathischer Sicht, wobei die Erfahrungen verschiedenster Homöopathen (Massimo Mangialavori, G. Vithoulkas, Rajan Sankaran) mit einfließen.
Aloe socotrina
Zwei Aloe-socotrina-Kasuistiken verdeutlichen die individuelle Symptomatik und Problematik dieses Arzneimittels. Beweggründe für die Behandlung waren ein körperlicher und seelischer Erschöpfungszustand mit mannigfaltigen Einzelbeschwerden (Fußpilz, Mastopathie, überdehnbare Bänder, niedriger Blutdruck, chronische Durchfälle etc.), im zweiten Fall ein Morbus Crohn.
Allium cepa und Allium sativum
Allium sativum (Knoblauch) und Allium cepa (Küchenzwiebel) sind mit je einer Fallwiedergabe vertreten. Bei einer Patientin, die schon mehrere Jahre lang mit nur relativ geringem Erfolg homöopathisch behandelt worden war, brachte die Verordnung von Allium sativum bei einem akuten Infekt auch den erwünschten Durchbruch auf chronischer Ebene. Und Heuschnupfen war die Hauptbeschwerde eines Patienten, der die Arznei Allium cepa (Küchenzwiebel) von der in München praktizierenden Homöopathin Anne Schadde verordnet bekam. Neben reichlichen wässrigen Absonderungen aus Augen und Nase, die bei jeder Erkältung auftraten, war ein ständiger Reizhusten eine weitere Beschwerde.
Convallaria majalis - Maiglöckchen
„Herzneurose“ lautet die Überschrift der Falldokumentation einer Frau, bei der Convallaria majalis (Maiglöckchen) nach dem zuvor vergeblich verordneten Sepia officinalis den erwünschten Heilimpuls brachte. Nach einer kurzen aber starken Verschlimmerung der Herzsymptomatik besserten sich die Hauptbeschwerde wie auch weitere Nebenbeschwerden zunehmend unter Convallaria Q 1 und Q 3.
Galanthus nivalis - Schneeglöckchen
Galanthus nivalis, so der lateinische Name des Schneeglöckchens, wurde einem Mädchen rezeptiert, das, ganz im Gegensatz zu seiner äußeren zarten Erscheinung, zu häuslichen Tobsuchtsanfällen und herrischem Verhalten neigte. In den letzten sieben Jahren hatte das Mädchen immer wieder zufriedenstellend auf Silicea, Thuja occidentalis und Calcium silicata reagiert. Nach der Gabe von Galanthus nivalis C 200 gab es eine deutliche Reaktion bei der „kleinen Prinzessin“. Die Mutter berichtete, das ihre Tochter nicht mehr wiederzuerkennen sei. Das ständige Jammern habe aufgehört, sie sei viel friedlicher und selbstständiger geworden, und auch in der Schule und ihren Freundschaften sei sie durchsetzungsfähiger und gleichzeitig sozialer geworden.
Chlorophytum commosum - Grünlilie
Die Grünlilie (Chlorophytum commosum), eine häufige Zimmerpflanze, war die passende homöopathische Arznei bei einer Frau mit einem vielfältigen Beschwerdebild (Pilzinfektionen, PMS, Halsweh, Heiserkeit, Schwindel, Gelenkbeschwerden, plötzliche Durchfälle etc.). Die Mittelfindung erfolgte unter Berücksichtigung der Familienthemen der Lilien sowie einem individuellem Bezug der Patientin zu Grünlilie.
Sarsaparilla officinalis
Den Abschluss bildet ein Sarsaparilla-Fall von Mike Keszler bei einem Mann mit rezidivierenden Nierensteinen. Zuvor verordnete Arzneien wie Berberis, Lycopodium, Nux vomica, Colocynthis und Aurum bewirkten keine oder nur temporäre Hilfe. Erst Sarsaparilla officinalis wirkte dauerhaft, und erbrachte auch bei später auftretenden akuten Beschwerden (Grippe, Husten, Rückenschmerzen) die gewünschte Wirkung.
Adamas – Diamant
Seit der homöopathischen Einführung des Diamanten durch den in England lebenden Homöopathen Jeremy Sherr in den 90ern, gibt es neben Graphites mit Adamas (lat. „adamas“ = „das härteste Eisen“) ein weiteres Arzneimittel aus reinem Kohlenstoff. Adamas ist eine Arznei mit hohem Selbstanspruch und Perfektionsstreben. In ihrem Beitrag gibt die Homöopathin Martina Steffens zuerst eine Beschreibung des Diamanten, seiner Eigenschaften und Qualitäten. Die nachfolgende Adamas-Kasuistik dokumentiert die Behandlung einer Frau (Kinderwunsch), die wegen einer seit drei Jahren bestehenden Amenorrhoe nach dem Absetzen der 'Pille' und chronischer Obstipation in homöopathische Behandlung kam.
Weitere Beiträge zu Adamas und anderen Edelsteinen finden Sie in der » Ausgabe 1/08.
Die Entwicklung des homöopathischen Modells von Dr. Rajan Sankaran in den letzten 10 Jahren
Der Hamburger Homöopath Ralf Burmeister, seit Jahren Organisator der Fortbildungen mit Dr. Jayesh Shah in Hamburg, gibt in seinem Beitrag eine erste Einführung in den 'neuen Ansatz' der Homöopathengruppe um Rajan Sankaran. Dazu beschreibt er die Entwicklung der letzten 10 Jahre, ausgehend von der Idee der zentralen Wahnidee bis zum heutigen miasmatischen Modell von Dr. Rajan Sankaran mit seinen sechs Ebenen.
Seminarreport: Lac equinum, Germanium metallicum, Elaps corallinus
Eine Mitschrift des jährlich im Herbst in Homburg (Saar) stattfindenden Videoseminars mit der Berliner Homöopathin Monika Kittler gibt Fälle folgender Arzneien in komprimierter Form wieder:
- Lac equinum (Hyperthyreose)
- Germanium metallicum (schwere Psoriasis). Eine weitere ausführliche Germanium-Kasuistik finden Sie in der » Ausgabe 2/06.
- Elaps corallinus (Morbus Hashimoto)
Zur Abrechenbarkeit homöopathischer Leistungen des Heilpraktikers
Die Rechtsanwältin Annette Oberhauser, spezialisiert auf Rechtsberatung für ganzheitliche Heilberufe, ist mit einem Artikel zur Abrechenbarkeit homöopathischer Dienstleistungen in der Praxis des Heilpraktikers vertreten.
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